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{Collect memories, not things} Zum Thema “Second Hand” & Bilanz 5/6

Liebe Leute, ich habe das Kleiderkreiseln wiederentdeckt. Kleidung gebraucht kaufen, oder noch besser, Kleidung die ich nicht mehr brauche oder die mir nicht mehr gefällt, gegen etwas tauschen, das ich toll finde! Ih, echt, getragenes Zeug von Fremden? Irgendwie eklig. Oder?

Ich frage mich: Ist Second Hand schmutzig? Behaftet mit einem Stigma, mit dem in unserer Gesellschaft niemand markiert sein möchte, nämlich “arm”? “Sind wir jetzt arm oder was?” habe ich in meinem Leben leider nicht erst ein Mal von einem verzogenen Teenagergör, das schnell ein paar neue Nikes brauchte, gehört. Arm sein ist nicht chic. Second Hand kaufen auch nicht. “Wieso sollte ich denn in den alten Klamotten von jemand anderem rumlaufen? Ich kann mir doch neue leisten” – das scheint der Kanon zu sein. Aber kommt es darauf an? Und ist das wirklich immer noch die am weitesten verbreitete Haltung? Meine Sicht wäre auf jeden Fall verblendet, würde ich nicht erkennen, dass Second Hand – und mit ihm DIY und Recycling – schon seit Jahren ein Comeback erleben. Und das ist gut so! Leider ist der Trend noch nicht bei allen angekommen, aber so langsam scheint bei einigen Leuten ein neues Bewusstsein einzutreten. Es gibt so viele Menschen, die täglich Zeug kaufen, das sie bei genauerem Hinsehen oder nach zweimaligem Benutzen dann doch nicht brauchen. Ich möchte mich da selbst auch nur teilweise ausklammern; es passiert mir auch zu oft. Aber gerade deshalb hat Second Hand für mich nichts mit abgetragen, schäbig und peinlich zu tun. Du hältst etwas Neues in den Händen, ohne dass etwas Neues produziert werden musste. Meistens ist die Ware in einem super Zustand, so dass sie einfach noch nicht bereit für den Mülleimer gewesen wäre, sondern darauf wartet, von jemand anderem heiß geliebt zu werden. Und wenn du wie bei Kleiderkreisel tauschst, hat der andere auch etwas Neues, über das er sich freuen kann. Das ist ein wirklich gutes Gefühl und mal ein schöner Twist in der Konsumwelt! Und so habe ich in den letzten zwei Monaten einige Päckchen an der Tür entgegen genommen, für die ich nur mit gebrauchten Sachen und einer kleinen Veränderung in meiner Konsumhaltung bezahlt habe.

Mein Konsum in den Monaten September und Oktober (Infos zum Projekt hier):

Second Hand, getauscht
– braune Tasche
– weißer Strickpulli
– Bench Jacke (wie viele Jahre ich die schon haben wollte!)
– Blumenleggings

Erlaubt gegönnt
– Boots von Tamaris
– DVD “Paulette”

Geschenkt bekommen
– kuscheliger Kunstfell-Schlauchschal

Übrige Teile
2 Schmuck/Kosmetik
1 DVD

Zwar habe ich letztendlich doch recht viel Neues im Schrank, durch das viele Kleiderkreiseln waren meine zwei Monate aber wirklich günstig und ich konnte sehr viel sparen. Die Kleiderkreiselsachen zähle ich nicht als Konsum, da ich ja nur etwas Altes dafür eingetauscht habe, ich liste aber trotzdem kein “übriges” Kleidungsstück, das käme mir dann doch heuchlerisch vor. An der Kosmetikfront habe ich mich aber zum Beispiel komplett zurückgehalten. Ich merke immer mehr, wie diese Dinge mir durch das Projekt unwichtiger werden: Ich schaffe es viel öfter, etwas stehen zu lassen, das mich auf den ersten Blick anlacht. Auch mein Ausmistprojekt losing122 läuft wie am Schnürchen. Das liegt nicht zuletzt an den größeren Zielen, die ich vor mir habe, aber ich denke, es ist auch ein persönlicher Fortschritt. Im November könnte ich wieder schwach werden, da ich die Vorschau für einen extrem tollen essie-Lack gesehen habe – aber der ist schon fest eingeplant.

Was haltet ihr von Second Hand? Habt ihr auch schon Sachen getauscht? Wo sind für euch die Grenzen?

Sabine


Oktober Inspiration: New York und warum mir Reisen jeden Cent wert sind

Es ist ein Spätsommertag, wieder einmal nur Ekelwetter in Deutschland. Es stört mich nicht allzu sehr, denn ich fühle mich noch aufgetankt vom vergangenen Urlaub auf Kreta. Das ist zu dem Zeitpunkt vielleicht zwei Wochen her. Und da schreibt Louisa: “New York Angebot bei Urlaubspiraten, 600 Euro für 7 Tage im Januar oder Februar! Wer kommt mit?” Und ich sage, Hals über Kopf, “Ich hab das Geld, lass uns buchen”. Einfach so. New York. Einer meiner ganz großen Träume. Amerika! Ich, die noch nie den Kontinent verlassen hat – ach was, das ist eine Untertreibung, ich bin noch nie weiter als England, Spanien oder Griechenland gekommen. New York. Das ganz große Ziel. Weder meine Großeltern noch meine Eltern waren je dort. Ich gehe mit 23 mal eben hin. Und das als Studentin. Bin ich denn nun völlig dekadent und durchgeknallt?

Es ist nicht so, dass mir nicht klar war, dass ich in den nächsten Jahren irgendwann mal in die USA fliegen würde. Seit ich 16 bin male ich mir einen Roadtrip an der West Coast und spätestens seit Sex and the City auch einen New York Besuch aus. Für mich ist Reisen ein verdammt wichtiger Bestandteil eines Lebens. Ich will die Welt sehen, und das war schon immer so. Da ich aus keiner reichen Familie komme, gab es bei uns keine Karibiktrips, aber schon unsere seltenen Italienbesuche waren für mich ein Highlight (und Italien ist bis heute noch ein Traumziel). Seit meinem Auslandssemester habe ich erst recht Blut geleckt. Aber gerade deshalb fühlt es sich auch ein bisschen blöd an, ganz spontan mal den New York Trip aus dem Ärmel zu schütteln. Für viele in meinem Umfeld ist es ganz normal – New York, Rio de Janeiro, Melbourne, Bangkok, Cape Town und auf dem Weg noch ein Stopover in Abu Dhabi. Für mich fühlt es sich dekadent an. Gut, aber irgendwie unanständig.

Es war mein Gewissen, das mich wochenlang gekniffen hat, bis ich es meinen Eltern erzählen konnte. Meine Eltern, die mich als Studentin finanziell stark unterstützen und dafür oft selbst Abstriche machen. Ich habe mich wirklich schlecht gefühlt. Aber Reisen ist und bleibt für mich das Größte und das Geld für die New York Reise habe ich mir mit meinem Nebenjob komplett selbst erarbeitet. Ich schätze, es ist auch eine Prioritätenfrage. Ich bin niemand, der sein Geld rausschmeißt. Aber manche Dinge sind es mir einfach wert. Und für die spare ich dann auch gerne an allen anderen Ecken und Enden, die ich finde.

Wenn es ums Reisen geht, hört man oft Dinge wie “Das kostet so viel und die Kohle ist dann einfach weg! Da kaufe ich mir lieber etwas, von dem ich länger etwas habe”. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Außer, dass es für mich nicht stimmt, dass ich es nur für die Dauer des Trips genieße und danach “nichts mehr da ist”. Meine Reisen sind es, die mir bisher am meisten die Augen geöffnet haben. Für andere Menschen, andere Denkweisen, andere Ziele. Ich freue mich monatelang darauf, genieße die Zeit in vollen Zügen, hole mir einen Inspirationsboost und erzähle noch Jahre später davon. Und das alles ist mir so viel mehr wert, als jeden Monat einen Berg neuer Klamotten zu kaufen oder Kellogg’s statt Gut & Günstig zu essen.

Ich fühle mich immernoch wie eine verwöhnte Jetsetterin, aber ich freue mich darauf. Es ist ein Geschenk an mich selbst. Eine Belohnungswoche nach dem Bachelor. In 3 Monaten geht es los – New York! Ich könnte schreien!

Bei kaddinator gab es gestern übrigens eine Timelapse-Videoinspiration zum Thema. Ich freue mich über jeden New York Tipp, aber auch über eure Gedanken zum Thema “Reisen und Dekadenz”.

Sabine


What’s in my bag? (Bachelor Edition)

Ich bin normalerweise total langweilig, was den Inhalt meiner Handtasche angeht. Keine Beautyblogger-Haarbürste, keine Kaugummis, kein extravagantes Stiftemäppchen, bis vor Kurzem auch kein protziges iPhone, das ich dann schön rechtwinklig (#thingsorganizedneatly) zu den anderen Sachen hätte legen können… Deshalb dachte ich, ich zeige euch als kleinen Zwischenpost mal die Tasche, mit der ich zurzeit so gut wie jeden Tag in die Bibliothek pilgere, um meine Bachelorarbeit voranzutreiben. Die erzählt nämlich mehr Geschichten als meine normale Handtasche.

1. Mein Notebook. Für die Baustellenschutzhülle von Thule wurde ich schon das eine oder andere Mal belächelt, aber wenn ich mir anschaue, wie sie nach knapp anderthalb Jahren aussieht (Kratzer, Druckstellen, …) bin ich absolut überzeugt von meiner Entscheidung. Den einen oder anderen punktuellen Stoß hätte eine einfache Neoprenhülle nicht abgehalten. Auf dem Macbook läuft in der Bib vor allem: Jamie Oliver’s Food Tube!
2. iPhone. Vielleicht sollte ich es öfter mal zuhause lassen… ihr kennt das.
3. Zwar ist Jamies audiovisuelles Auftreten mein Untersuchungsgegenstand, hin und wieder schaue ich jedoch auch gern in eines seiner Bücher oder Magazine, um einen Vergleich zu ziehen oder einen Überblick zu bekommen.
4. Wir haben x verschiedene Bibliotheken auf dem Campus. Die einzige Bib, bei der man wirklich etwas ausleihen kann, ist die Unibibliothek. Aus der schleife ich die ausgeliehenen Bücher, die ich für den Tag zusätzlich brauche, in die Fakulitätsbibliothek, in der ich (mit den Büchern vor Ort) arbeite.
5. Mein Portemonnaie – für Kopien und den kleinen Hunger.
6. Mein Bachelor-Collegeblock. Darauf klebt ein Zettel mit Standorten für Bücher, mit denen ich arbeiten will, und innen drin sind Kopien von relevanten Journalartikeln.
7. Traubenzucker. Eigentlich nehme ich ihn nur mit, um mich zu beschäftigen. Lieber ein Griff zum Traubenzucker als zum Handy (was dann wiederum in Hyper, Hyper! ausarten könnte).
8. Mein Mäppchen. Drin sind Kugelschreiber, Bleistifte und Textmarker in allen Variationen.
9. Kopfhörer. Ich kann ja nicht den Rest der Bibliothek mit “Waddup, Food Tubers?! Mister Oliver here!” beschallen.
10. Meine Schlüssel. Wenn der Tag dann endlich vorbei ist…

Sabine


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